Jil Sander, Janosch, Peter Lindbergh - weltbekannte Berühmtheiten, die eine Sache gemeinsam haben: Sie alle begannen ihre Karriere als Studenten an der Hochschule Niederrhein.
krefeld/mönchengladbach Für Ursula Scherer ist er immer „der Pitt“ geblieben. Und wenn sie von ihrem guten Freund „Pitt“ erzählt, dann ist damit kein geringerer gemeint, als der weltberühmte Modefotograph Peter Lindbergh. „Als Studenten zogen wir abends gemeinsam los, und Pitt spielte Schlagzeug im Jazzkeller, der angesagteste Club der 60er“, erzählt Scherer, die heute Honorarprofessorin an der Hochschule Niederrhein ist. In den bewegten 60er Jahren hat sie gemeinsam mit dem Starfotografen an der Werkkunstschule studiert. In Krefeld.
Ausgerechnet in der beschaulichen Stadt am Rhein hat die Karriere des gefeierten Starfotografen Peter Lindbergh begonnen, der heute in Metropolen wie Paris, Mailand und New York zu Hause ist - und er ist nicht der einzige Absolvent der Hochschule Niederrhein, dessen Name heute im In- und Ausland ein Begriff ist. Auch die weltberühmte Designerin Jil Sander hat erst in Krefeld ein Studium zur Textilingenieurin abgeschlossen, bevor sie in die Modebranche einstieg. Gleich nach ihrer Schulzeit hatte sich Sander an der Hochschule für Textilkunde in Krefeld immatrikuliert. Und sie wusste schon damals, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Die junge Jil provozierte ihre Krefelder Professoren, indem sie schon zu Beginn der 60er Jahre Hosen trug - aus Protest gegen die Petticoats der 50er Jahre.
Auch Peter Lindbergh war damals alles andere als ein Musterstudent, der sich dem Mainstream unterordnete. In den wilden 60er Jahren, zur Zeit der Studentenbewegung, schockierte er mit für damalige Verhältnisse obszönen Theaterstücken: „Er hatte damals gemeinsam mit meinem Mann ein Stück einstudiert, dass in der Aula aufgeführt wurde“, erzählt Scherer. „Da bei dem Stück gleich zu Beginn Geschlechtsverkehr unter einem Bettlaken simuliert wurde, sollte mein Mann gar von der Hochschule geschmissen werden.“
Als Lindbergh sich 1965 an der Werkkunstschule immatrikulierte, hatte ein großer Künstler sein Studium in Krefeld bereits abgeschlossen: Markus Lüpertz, heute weltweit hochgeschätzter Maler und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf. Lüpertz studierte von 1956 bis 1961 in Krefeld und verbrachte während dieser Zeit einen Studienaufenthalt im Kloster Maria Laach und arbeitete ein Jahr im Kohlebergbau unter Tage. Nach dem Studium machte er sich als Künstler selbstständig und zog nach Berlin.
Doch auch Lüpertz war nicht der erste Student der Hochschule, aus dem später ein Star werden sollte: Horst Eckert, besser bekannt unter dem Namen Janosch, hat ebenfalls die Textilfachschule in Krefeld besucht. Nachdem er einen Lehrgang für Musterzeichnen bei dem Klee-Schüler Gerhard Kadow belegt hatte, wollte der 22-Jährige unbedingt Maler werden. Doch der Zeichner, der heute als Kinderbuchautor Weltruhm erlangt und als Erfinder der Tigerente längst Kultstatus erreicht hat, bestand die Probesemester an der Kunstakademie in München nicht. Auf der Suche nach einem Job begegnete er einem Verleger - der Rest ist Geschichte.
Dass sein Studium in Krefeld nicht unwesentlich zu seinem Erfolg beigetragen hat, da ist sich Peter Lindbergh sicher: „In Krefeld habe ich gelernt, dass ich allein verantwortlich bin für alles, was ich mache“, sagt der Modefotograf heute, wenn er an seine Studienzeit zurückdenkt. In Krefeld habe man den Studenten Raum gelassen, sich selbst zu entwickeln und sich zu finden. „Das kann nur von Nutzen sein, egal wo man später arbeitet.“
Erst nach dem Studium begann Lindbergh zu fotografieren - und die Schlagzeugstöcke landeten daraufhin im Schrank. „Dabei hat er gut gespielt“, sagt Scherer. Aber noch besser kann er fotografieren.
Quelle: Rheinische Post vom 8. Februar 2007
This entry was posted on Mar 08, 2007 at 23:20:14 and is filed under Hochschule aktuell. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed, or leave a response (below) .
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