„Anfrage nicht zu befriedigen

Autor: Magna cum MG 

Am 11. und 12. Mai präsentiert sich die Textilbranche bei der Nachwuchsmesse „MG zieht an" in den Räumen der Hochschule Niederrhein. Wir sprachen mit Wirtschaftsförderer Dr. Ulrich Schückhaus und Dekanin Professor Dr. Marie-Louise Klotz über die Messe und Mönchengladbach als Textilstandort.

Frau Klotz, Herr Schückhaus, die Nachwuchsmesse „MG zieht an" wird immer populärer. Warum?

Schückhaus: Das Thema „Nachwuchs“ und „Bildung“ bekommt einen immer höheren Stellenwert. Warum? Weil die Firmen vorsorgen müssen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird es in naher Zukunft einen Mangel an qualifizierten Fachkräften geben. Das haben die Unternehmer erkannt und nutzen „MG zieht an“ als Kommunikationsplattform. Sie wollen zeigen, dass sich der Markt entwickelt hat und es hier in diesem Bereich alle Chancen für Mitarbeiter gibt.

Klotz: Wir bewegen uns, erweitern den Horizont und machen neue Türen auf. „MG zieht an“ hat einen hohen Stellenwert in der Textilbranche. Das gilt übrigens auch für die Stadt Mönchengladbach. Als Textilstandort spielt die Vitusstadt in einer gewissen Liga.

Warum?

Klotz: Weil hier die Weltmarktführer im Textilmaschinenbau oder ein Zulieferer für die Automobilindustrie ihren Firmensitz in MG haben. Das ist vielen gar nicht so bewusst. Auch der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein wird nicht nur in Deutschland wahrgenommen. Wir haben Anfragen von Unternehmen aus ganz Europa, die mit uns zusammenarbeiten wollen. „MG zieht an“ als Nachwuchsmesse für Textil hat sich enorm weiterentwickelt. Selbst namhafte Unternehmen wie Gerry Weber oder die Steilmann-Gruppe nutzen die Gelegenheit, sich hier zu präsentieren.

Schückhaus: Das Interesse ist da, die Anfrage groß. Mit dem Zusatz „Textil und Mode in NRW“ haben wir „MG zieht an“ deswegen neu positioniert und damit auch andere Unternehmer in ganz Deutschland auf uns aufmerksam gemacht. Insgesamt werden rund 60 Unternehmen die Chance nutzen, sich hier zu präsentieren.

Das hört sich alles stark nach Aufbruchstimmung an. Hat die Textilbranche ihre Krise überwunden?

Schückhaus:Während die Beschäftigungszahlen in anderen Bereichen in den letzten, konjunkturell schwierigen Jahren konstant nach unten gingen, gibt es in der Textilbranche bereits seit 2002 einen kontinuierlichen Anstieg. Die Branche hat sich gesund geschrumpft und an die neuen Begebenheiten angepasst.

Klotz: Heimische Unternehmer haben sich neu aufgestellt und ihre Nischen gefunden. Sie haben sich rechtzeitig weiterentwickelt und stehen jetzt auf gesunden Füßen.

Also sind die Berufschancen für Absolventen ideal?

Klotz: In der Tat! In diesem Jahr haben bereits fast alle 270 Absolventen eine Stelle gefunden - nicht in China oder Indien, sondern hier in Deutschland. Die Anfrage ist derzeit gar nicht zu befriedigen. Die Unternehmen suchen händeringend qualifiziertes Personal. Das Interesse der Schüler hat ebenfalls zugenommen. Wir mussten sogar Zulassungsbeschränkungen einführen. Für die nächste Design-Eignungsprüfung haben sich bereits 300 Interessenten angemeldet.

Mit der Aktion „Fashion Hot Spots“ in ausgewählten Gastronomiebetrieben wird „MG zieht an“ öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt. Warum?

Schückhaus: Im Gegenteil! Wir wollen alle Bürger dieser Stadt ansprechen und zeigen: Hier tut sich was. Mönchengladbach ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort für die Textilindustrie. Ein neuer Besucherrekord ist aber nicht unser Ziel. Vielmehr geht es um fachliche Inhalte und die Vermittlung von Zukunftschancen in dieser Branche. Wir werden natürlich alle Schulen in dieser Stadt, aber auch in der Region anschreiben und auf die Veranstaltung aufmerksam machen. Der Nachwuchs - Schüler wie Studierende - liegt uns natürlich in erster Linie am Herzen. Schließlich wird das Projekt auch im Rahmen von MGconnect durch das Land NRW und die EU gefördert.

Klotz: Textilunternehmen in dieser Stadt? Ist da noch was? - wenn mir ein Mönchengladbacher diese Fragen stellt, dann wird schnell klar, dass die Textilbranche in dieser Stadt immer noch anders wahrgenommen wird und die Krise in vielen Köpfen weiter existiert. Viele Bürger wissen gar nicht, wie gut Mönchengladbach im textilen Bereich aufgestellt ist. Das ist mit ein Grund, warum wir die „Fashion Hot Spots“ eingerichtet haben.
Wie nehmen die heimischen Aussteller wie Trützschler oder Monforts die Veranstaltung wahr?

Schückhaus: Gerade die Textilmaschinenbauer haben „MG zieht an" immer unterstützt. Was vielleicht bei der ersten „MG zieht an" vor sieben Jahren eher eine Gefälligkeit war, um etwas für den Standort Mönchengladbach zu tun, ist jetzt ein Pflichttermin, um sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Wenn sich hier namhafte Aussteller aus nah und fern präsentieren, wenn es hier Podiumsdiskussionen mit bekannten Unternehmern gibt, dann wollen die heimischen Aussteller nicht fehlen.

Wie wird sich der Textilbereich weiter entwickeln? Wie sieht in Zukunft die Ausbildung aus?

Klotz: Studenten der Textil- und Bekleidungstechnik müssen immer mehr Allrounder sein. Heute sind Grundlagen der Betriebswirtschaft in jedem Fach ein Muss. Auch Fremdsprachenkenntnisse sind eine unbedingte Voraussetzung. Es reicht heute nicht mehr aus, ein guter „Designer“ oder ein guter „Techniker“ zu sein. Und dann fragen immer mehr Unternehmen an, ob sie ihre Auszubildenden nicht für das kooperative Studium anmelden können. Die Ausbildung findet an drei Tagen im Unternehmen statt, studiert an der Hochschule wird nur an den beiden anderen Tagen. Ausbildung im Unternehmen und Studium an der Hochschule finden zwei Jahre lang parallel statt, dann wir d zwei weitere jahre nur studiert. Ein Modell mit Zukunft, um seine künftigen Mitarbeiter optimal zu qualifizieren.

Frau Klotz, Designer wie Lagerfeld oder Luigi Colani sind Paradiesvögel. Gibt es diese Paradiesvögel auch schon im Studium?

Klotz: Sie werden es nicht glauben, aber diese Paradiesvögel sind bodenständige und analytisch denkende Menschen, die ein hohes Faible für Kreativität haben. Sicherlich gibt es auch Selbstläufer, die man hin und wieder einfangen muss, aber mit denen kann man einiges bewegen. Sie übernehmen Verantwortung und können auch diejenigen sein, die andere Studierende anleiten.

Quelle: Stadt - Spiegel 3. Mai 2007


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