Waldemar Burkhardt ist der erste Student der Hochschule Niederrhein, der sich mit dem Titel „Aktienhändler“ schmücken darf. Das rasante Geschehen an der Börse ist für den 28-Jährigen eine Leidenschaft.
An die erste Aktien, die er jemals gezeichnet hat, erinnert sich Waldemar Burkhardt noch genau. Sein Vater auch. Denn der musste seinen 17-jährigen Sohn damals zur Bank begleiten und für den Minderjährigen den Kaufauftrag für die Fielmann-Aktien unterschreiben. Heute kommt Burkhardt ohne die väterliche Hilfe zurecht - und betreibt den Handel mit Aktien deutlich professioneller. Der 28-Jährige ist der erste Student der Hochschule Niederrhein, der sich offiziell Aktienhändler nennen darf.
Und er ist einer der Ersten, die diese Ausbildung bei der Deutschen Börse in Frankfurt absolvieren durfte, erklärt der Gladbacher Wirtschaftsprofessor Bernd Müller stolz. Das besondere dabei: Der Lehrgang, an dem früher meist gestandene Banker teilnahmen, schließt direkt an das Studium an. „Die Ausbildung wird im Lebenslauf vorverlagert“, erklärt Müller.
Für diesen Weg hat sich Burkhardt früh entschieden. Kaum hatte er den Abschluss in Wirtschaftswissenschaften in der Tasche, setzte er sich unbeirrt wieder an den Schreibtisch. Im Selbststudium bereitete er sich auf die Prüfung zum Aktienhändler vor.
Doch wie kommen Aktienkurse zustande? Wie wickelt man den Handel ab? Den Arbeitsaufwand, um all diese Fragen in der Prüfung richtig beantworten zu können, kann Burkhardt genau beziffern: 300 Stunden lang hat er fleißig geschmökert, gebüffelt und geübt. Nach der Plackerei am Schreibtisch folgte ein zweitägiges Seminar in Frankfurt. Im Schulungszentrum, wohlgemerkt, nicht auf dem Börsenparkett. Dieses hektische Pflaster, so Burkhardt, müsse ein Aktienhändler gar nicht betreten. 95 Prozent des gesamten Handels laufe heute über den PC. Ein paar Computerbildschirme - und schon könnte der frisch gebackene Broker loslegen, erklärt er. Seine Augen leuchten. Auslöser war das Fernsehen. „Früher hatten wir zu Hause nur drei Programme“, erinnert sich Burkhardt, der 1987 mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland zog. Einer dieser Sender zeigte den ganzen Tag nur aktuelle Aktienkurse. „Da wollte ich einfach wissen, was das ist.“
Auch neben dem Studium hat der junge Mann im korrekten Anzug immer mit Aktien gehandelt - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. „Als 2001 die Aktienblase platze, war ich mittendrin“, gibt er zu. Erfahrungen, die wohl jeder Broker machen muss. Aber keine Angst. Beruflich betreibe man das Wechselspiel aus Kaufen und Verkaufen ganz anders, versichert er. Schließlich trage man da viel mehr Verantwortung. Zuviel Verantwortung? „Nö“, sagt Burkhardt cool - auch wenn es im Ernstfall um viele Millionen Euro gehen könnte. Für ihn ist das Börsengeschehen ein Traumjob - und er kann kaum erwarten, dass es endlich auch beruflich losgeht.
Quelle: Rheinische Post vom 28.April 2007
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