Popcorn futtern, Filme gucken und dabei im Auto sitzen. Im Frühjahr 2008 soll das im Nordpark möglich sein.
Vier junge Gladbacher wollen ein Autokino auf der Messefläche eröffnen. Möglicher Premierenfilm: „Grease“.
Gestern vormittag, 11 Uhr. Die 60er-Jahre halten Einzug in die moderne Hauptverwaltung der Stadtsparkasse am Bismarckplatz. Fiona Flecken (24), Sebastian Schilling (25), Lars Thierling (33) und Sebastian Niebuhr (24) sehen nicht aus wie Bankkunden. Eher wie Mitglieder der legendären New-Yorker Straßengang „Wanderers“ aus dem gleichnamigen Film. Sie im türkisfarbenen Ballonkleid und Halstuch, ihre männlichen Begleiter in hochgekrempelten Jeans, sorgsam gegelten Frisuren und Bauarbeiter-Hemden. In der Hand halten sie keinen Überweisungsvordruck, sondern eine Tüte Popcorn.
„Wir sind auf Sponsorensuche“, erklärt Lars Thierling, „Anführer“ der Gruppe, den Aufzug. Der 33-Jährige klappert mit seinen Kollegen von der Gladbacher Eventagentur 2increase Firmen ab, um Partner für eine „außergewöhnliche“ Aktion zu finden, wie er wirbt. Die Vier wollen in Gladbach verwirklichen, was im Amerika der Sixties als Kult galt: ein Autokino.
Ihr Plan: Im Frühjahr 2008 sollen Hollywood-Filme auf einer Großleinwand im Nordpark gezeigt werden. Die Zuschauer sitzen dabei bequem in ihren Autos. „Autokino hat ein einzigartiges Flair“, findet Thierling, der selbst gerne Hollywood-Filme durch die Windschutzscheibe in Köln-Porz verfolgt. Dort wurde 1967 das erste NRW-Autokino eröffnet. Lieber würden Thierling und seine Freunde das in ihrer Heimat Mönchengladbach machen. „Hier fehlen solche außergewöhnlichen Events“, ergänzt Sebastian Schilling. Also ziehen die vier nun durch die Marketingabteilungen und Chefetagen hiesiger Firmen, um Unterstützung für ihr Projekt zu bekommen. In der Tüte Popcorn, die sie jedem Ansprechpartner überreichen, steckt eine CD mit einer Präsentation.
Darin ist alles ausgearbeitet. Sechs Film-Vorführungen soll es an drei Tagen geben. Pro Vorführung passen 500 Autos auf die Messefläche. Macht 1000 Zuschauer („hinten im Auto sieht man ja nichts“). Die Entwicklungsgesellschaft der Stadt, Eigentümerin des Geländes, hat bereits Zustimmung signalisiert. Miete fürs Wochenende: rund 5000 Euro. Und was sagt die Nachbarschaft? „Die hört nichts. Die Tonübertragung erfolgt über das Autoradio“, betont Thierling.
Konkurrenten wie das Comet-Cine-Center oder die Filmerprobte NVV („Open Air Kino“) wollen die jungen Marketingexperten am liebsten mit ins Boot holen. Alle angefragten Unternehmen könnten einzelne Kino-Abende exklusiv für Kunden buchen oder das Kino für alle öffnen und Eintritt verlangen, sagt der Absolvent der Hochschule Niederrhein: „Ticketpreise würden bei zehn Euro pro Person liegen.“ Welcher Film zur Premiere laufen sollte, weiß er auch schon.
„,Grease’ wäre toll.“
Rheinische Post vom 1. Juni 2007
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