Bislang kommen nach Mönchengladbach kaum Touristen. Darum arbeiten die Hotelliers an einem Tourismuskonzept. Sie wollen Gästen die Textil-Vergangenheit zeigen und sie zum Shoppen schicken.
Immer mehr Familien machen nicht nur einen großen Urlaub in den Ferien, sondern noch Kurz-Städtereisen über das Jahr verteilt. Dafür fahren sie nicht nur nach Berlin, München oder Hamburg, sondern auch nach Bochum, Ingolstadt oder Saarbrücken, wie ein Blick in den DER-Katalog zeigt. Nur nach Mönchengladbach kommen kaum Touristen - weil ihnen bisher niemand sagt, warum sich das lohnt. Das ärgert Andreas R. Graf, den neu gewählten Vorsitzenden des hiesigen Hotel- und Gaststättenverbands. „Wir sind doch kein Aschenputtel. Mönchengladbach muss sich überhaupt nicht hinter den anderen Städten verstecken“, ist sich Graf sicher. Die hätten nicht etwa bessere Voraussetzungen, sondern würden sich nur besser vermarkten.
Das kann Adolf Münch, Prokurist des First-Reisebüros, nur bestätigen. Schon öfter war der luxemburgische Tourismus-Minister in Mönchengladbach und ließ sich von den First-Experten die Region zeigen. „Der hat die Welt nicht mehr verstanden und gefragt: Warum macht Ihr da nichts draus?“, berichtet Münch.
Kultur mit dem Museum Abteiberg, Natur mit Paddeln auf der Niers und Radtouren in der näheren Umgebung, Geschichte mit dem Münster und den Schlössern und natürlich Sport mit Borussia - zu bieten hat die Stadt jede Menge. Dazu kommen noch die guten Einkaufsmöglichkeiten. „Mönchengladbach ist die Outlet-Hauptstadt Deutschlands. Von diesem Geschäft leben andernorts ganze Regionen“, sagt Hotelchef Graf. Man müsse potenziellen Besuchern klar machen, wie viel Geld sie beim ausgiebigen Shoppen sparen könnten. Und ein Rahmenprogramm für ein Wochenende zusammenzustellen sei ein Leichtes. Auch dabei könnte das Thema Textil eine wichtige Rolle spielen. Die große Textil-Tradition der Stadt könnte bei Rundgängen gezeigt werden. Oder noch besser: ein eigenes Textilmuseum. Rolf Königs, Geschäftsführer von Aunde, hält viel von diesem Ansatz. „Wir machen zu wenig aus unserer Geschichte“, sagte er gestern der RP.
Die Hotelliers stehen in den Startlöchern. Am liebsten wären sie schon im Frühjahrskatalog 2008 von DER-Tour mit einer eigenen Seite vertreten. Nur: Das kostet Geld, das die Hotelliers nicht alleine aufbringen können. Andernorts zahlt die Stadt die Hälfte für so einen Werbeauftritt. In Mönchengladbach fehlt dafür das Geld. Nun überlegt Graf, das City-Management von Mönchengladbach und Rheydt anzusprechen. „Wir können nicht bis 2010 warten, bis wir mit dem neuen ECE-Forum einen weiteren Magneten haben. Bis dahin haben die anderen Städte drei Jahre, um ihren Vorsprung auszubauen.“
Quelle: Rheinische Post vom 21. Juni 2007
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