Trützschlers Welt

Autor: Magna cum MG 

Die Textilmaschinen aus Odenkirchen stehen in mehr als 150 Ländern. Mit 14 Niederlassungen für Produktion, Verkauf und Service hat Trützschler die Weltmärkte fest im Griff. Zuletzt wurde ein Büro in Usbekistan eröffnet.

Die Damen und Herren beim Odenkirchener Textilmaschinenbauer Trützschler wissen es selbst gar nicht so genau: „In Bora-Bora gibt’s vielleicht noch keine Maschine von uns“, scherzt ein Mitarbeiter. Ansonsten habe man überallhin in die Welt eine Spinnereimaschine verkauft. Er schätzt, dass es wohl 150 Länder sind.

Überall, wo Baumwolle verarbeitet wird, hat das Odenkirchener Unternehmen seine Maschinen im Spiel. Trützschler bietet die komplette textile Kette vom Ballenöffner über Mischer bis hin zu den Karden (zum Bearbeiten von Fasern) an. Mit dem Kauf des Maschinenbauers Fleissner im Herbst 2006 hat sich das Unternehmen auch den Markt für die technischen Textilien (Vliesstoffe) erschlossen. In den großen Baumwollgebieten der Welt ist Trützschler längst mit eigenen Tochtergesellschaften vor Ort. Die Internationalisierung der Gruppe begann in den 70er Jahren mit Firmengründungen in den USA, Brasilien und Indien. China gehört heute auch dazu. Und zuletzt wurde eine Serviceniederlassung in Usbekistan eröffnet. „Weiße Flecken auf der Landkarte gibt es nach unserer Ansicht nicht mehr“, sagt Marketingleiter Hermann Selker nicht ohne Stolz.

Der Boom auf den Auslandsmärkten sorgt im Vorfeld der Branchenmesse ITMA im September für eine gute Auftragslage. „Wir sind für dieses Jahr ausgebucht“, sagt Selker. Dabei muss das Familienunternehmen mehr denn je in Forschung und Entwicklung investieren, um sich von den neuen Mitbewerbern auf den asiatischen Märkten nicht überholen zu lassen. Erste Kopien der Trützschler-Maschinen sollen in China schon gesichtet worden sein. Für die mehr als 725 Mitarbeiter an der Duvenstraße bedeutet das: Nur wenn der Technologievorteil des 1888 von Paul Heinrich Trützschler gegründeten Unternehmens bestehen bleibt, sind die deutschen Arbeitsplätze sicher. Der Fachkräftemangel bleibt indes ein Hemmschuh. „Wir finden keine Ingenieure“, sagte Selker unlängst auf einer Nachwuchsveranstaltung der Textilwirtschaft und kritisierte die fehlende Flexibilität der jungen Bewerber. „Natürlich muss man heute auch bereit sein, für eine gewisse Zeit ins Ausland zu gehen.“

Denn jenseits der Grenzen sichert sich Trützschler den Großteil seines Umsatzes. Und manchmal wird das sogar von politischer Hand gesteuert. „So aufnahmefähig der chinesische Markt beispielsweise für unsere Spinnereivorbereitungs-Maschinen ist, die tatsächlichen Kaufentscheidungen werden von den Fünfjahresplänen der Regierung vorgegeben“, berichtet Selker. Und in diesen Plänen findet sich dann auch immer eine bestimmte Wachstumsquote für die Textilindustrie. Auch in Indien oder der Türkei, wo im vergangenen Jahr deutlich mehr Maschinen bestellt wurden, gibt es diese Abhängigkeiten von der Politik. Es scheint zu funktionieren. Der Umsatz von Trützschler wächst weiter.

Rheinische Post vom 23. Juni 2007


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