Öffentlichkeit mögen sie an der Sachsenstraße nicht so gern. Die Tuchfabrik Willy Schmitz agiert lieber im Verborgenen. Selbst, wenn es etwas Großes zu feiern gibt. Wie jetzt. Das 1932 gegründete Familienunternehmen feiert sein 75-jähriges Bestehen. Doch als die Geschäftsführer Andreas und Markus Schmitz den Betriebsrat fragten, ob die Mitarbeiter Lust auf eine große Jubiläums-Gala hätten, kam die Antwort: „Nee, das passt nicht zu uns.“ Also gibt’s heute eine grundsolide Sommerparty mit Grill und Bierzelt auf dem Betriebsgelände.
„Was unser Geschäft betrifft, hätten wir vielleicht manchmal ein wenig trommeln sollen“, sagt Andreas Schmitz. „Aber wir sind auch so ganz gut gefahren.“ Die Geschichte der Willy Schmitz Tuchfabrik ist eigentlich ein Novum in der Gladbacher Textilwirtschaft. Die Firma ist der letzte „reine Stöffchenmacher“ der Stadt, erläutert Schmitz stolz. Sowohl Gewebe für Damen- und Herrenbekleidung als auch technische Textilien für die Automobilindustrie werden in Mönchengladbach hergestellt. Das Geschäft mit den Stoffen für den Heimbereich wurde eingestellt.
Königs ist Kunde
Den Weg des prominenten Konkurrenzunternehmens Aunde ging Willy Schmitz nicht. Während die Gladbacher Firmen-Gruppe um den emsigen Geschäftsführer Rolf Königs 83 Werke in 22 Ländern aufbaute, blieb die Willy Schmitz GmbH bei ihren Produktionsstätten an der Sachsenstraße und in Süddeutschland. „Wir hätten mit Fabriken im Ausland sicher besser verdienen können, aber wir sind auf den Standort Mönchengladbach fixiert“, erklärt der Betriebswirt. Das habe sein Großvater, Firmengründer Willy Schmitz, am Herzen gelegen. Außerdem: „Die Fachkräfte hier sind gut und wir verdienen hier auch Geld.“ Noch eine Entwicklung des Nachbarunternehmens („Wir kommen gut mit Rolf Königs klar, und er ist unser Kunde“) hat die Tuchfabrik nicht mitgemacht. Während sich Aunde zum Systemanbieter weiterentwickelte, der komplette Autositze punktgenau an die Fließbänder der Hersteller liefert, produziert Schmitz weiterhin „nur“ die Stoffe. Immerhin fünf Millionen Meter Textilien pro Jahr. Mit 170 Mitarbeitern am Standort Gladbach. „Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft, bieten aber vom Design über die technische Entwicklung bis zur Auftragsabwicklung die gesamte Palette“, erklärt der Chef. Das Design-Team habe man personell erweitert, außerdem stehe die technische Kompetenz im Fokus. In den nächsten Jahren werde man sich noch intensiver auf textile Trends - etwa schmutzabweisende, klima- und schweißneutrale Stoffe - konzentrieren. „Wir arbeiten eng mit der Hochschule zusammen.“
So ist die Willy Schmitz Tuchfabrik in den vergangenen Jahren zwar nicht rasant, aber solide gewachsen. Zuletzt betrug der Umsatz rund 35 Millionen Euro. „Uns geht’s gut“, sagt Schmitz. Auch ohne viel „Publicity“.
Quelle: Rheinische Post vom 4. August 2007
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