ECE ist eine Chance

Autor: Magna cum MG 

Gregor Langweg, Heinemann-Geschäftsführer und Vorsitzender des Gladbacher City-Managements, über das geplante Einkaufszentrum, Gewinner, Verlierer und warum er bedauert, dass er Champagner-Trüffel liebt

Warum braucht Mönchengladbach das ECE-Forum?

Langweg Ob Mönchengladbach das ECE braucht, darüber kann man diskutieren. Auf jeden Fall braucht die Stadt einen „echten” Mittelpunkt, der die Attraktivität im Bereich des Handels steigert und der die Innenstadt auch für Menschen außerhalb Gladbachs interessant macht. Sich für ECE zu entscheiden war sicher keine schlechte Wahl.

Sie sehen den Veränderungen der Innenstadt also positiv entgegen?

Langweg Wir, damit meine ich die Handeltreibenden und auch die Bevölkerung, müssen lernen, das Forum als Chance zu begreifen. Klar birgt ein solches Projekt auch Risiken, doch die letzten Details sind noch nicht besprochen. Die Stadt hat aus städtebaulicher Sicht und was die Gestaltungsmöglichkeiten angeht noch genügend Einflussmöglichkeiten.

Wer sind die Gewinner von ECE?

Langweg Gewinner sind alle diejenigen, die mit ihren Geschäften im ECE oder in der Nähe des ECEs liegen.

Und die Verlierer?

Langweg Das werden diejenigen sein, die ganz oben oder unten an der Hindenburgstraße angesiedelt sind. Je weiter die Geschäfte vom ECE weg liegen, desto schwieriger wird es werden, die Lauflage aufrecht zu erhalten.

Wie beurteilen Sie das Vorhaben, die Theatergalerie mit ins Konzept einzubinden?

Langweg Dieser Schritt ist richtig. Damit erfährt ECE eine Öffnung in der Breite, und es entstehen zusätzlich viele Ein- und Ausgänge. Die Galerie hat dadurch bessere Chancen, die Menschen mehr in die Galerie mit hineinzuziehen.

Wie weichen die aktuellen Entwürfe von den Wünschen der Händler ab?

Langweg Das Konzept nimmt die Peripherie kaum war. Ich hätte mir einen Entwurf gewünscht, der die Hindenburgstraße und die dort angesiedelten Händler in Gänze berücksichtigt.

Gibt es mit ECE bald zu viel Einzelhandels-Fläche in Gladbach?

Langweg Die Größe des ECE mit 26000 Quadratmetern wirkt auf den ersten Blick erschreckend. Man muss abwarten, wie sich ein solches Einkaufszentrum auch auf die Nachbarstädte auswirkt. Aber Größe allein macht es nicht aus. Wichtig ist der richtige Branchenmix. Wir müssen sehen, wer sich zum ECE hinbewegt und vor allem, was mit dem Rest passiert.

Welche Auswirkungen hat für Heinemann die relativ lange Bauzeit?

Langweg Die Baumaßnahmen tangieren uns an drei Standorten. Gerade auf der Bismarckstraße werden wir Probleme beim Be- und Entladen bekommen, weil durch die geplante Straßenführung viele Parkplätze wegfallen werden. Aber die Stadt hat uns diesbezüglich bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Und der Standort in Rheydt hat mit den allgemeinen Kaufkraftabgängen zu kämpfen.

Langweg Wir müssen sehen, welches Klientel sich künftig dort hin orientiert. Heinemann hat bisher immer an allen Standorten festgehalten und versucht, diese weiterzuentwickeln. Und das werden wir auch künftig unabhängig von ECE tun.

Wie sieht es mit dem Straßencafé auf der Hindenburgstraße aus?

Langweg Das wird erst einmal verschwinden. Je nach Länge der Bauzeit vielleicht sogar zwei Jahre. Aber auch hier werden wir Gespräche führen und den Umsatzverlust anderweitig auffangen. Wir planen ebenso langfristig wie der Eigentümer der Galerie, der mit uns bereits über andere Flächen diskutiert.

Was heißt das?

Langweg Möglicherweise rücken wir auf die Ecklage vor. Das hieße, dass wir investieren müssten. Ich bin der Meinung, dass es nichts nutzt, sich gegen Dinge zu sperren. Denn wir glauben an den Standort.

Denken Sie über weitere Standorte in Gladbach nach?

Langweg Denkbar ist vieles, gerade wenn man unsere Entwicklung betrachtet..

Wie wird die Einkaufsmeile Hindenburgstraße denn in zehn Jahren aussehen?

Langweg Wir werden eine gut besetzte und attraktive Einkaufsstraße haben. Möglicherweise rückt auch die Gastronomie vom Alten Markt in Richtung Hindenburgstraße vor und wird sich bis dahin etabliert haben. Das dürfte aufgrund der hohen Auflagen aber nicht ganz einfach sein.

Wie beurteilen Sie die Verkehrsplanung?

Langweg Ich vertraue auf die vorliegenden Gutachten, die besagen, dass es kein Verkehrschaos geben wird. Auch während der Bauphase muss die Erreichbarkeit aller Geschäfte gewährleistet sein.

Brauchen wir Busse auf der Hindeburgstraße?

Langweg Klar wäre es schöner, wenn auf der Straße keine Busse fahren würden. Ich würde mir auch eine geringere Frequenz wünschen. Aber auf der anderen Seite bringen die Busse auch Konsumenten in die Stadt. Denkbar wäre vielleicht eine Befahrung nur in eine Richtung.

Was halten Sie von der Einführung der so genannten Cable Cars?

Langweg Das ist zwar eine witzige Idee. Aber ein solches Projekt bei ins umsetzbar ist, wage ich zu bezweifeln.

Das Rheydter City-Management hat es vorgemacht und mit einer neuen Beitragsstruktur viele Mitglieder dazugewonnen. Wie sieht es in Mönchengladbach aus?

Langweg Auch wir haben erstmals wieder neue Zugänge zu verzeichnen, allerdings nicht so viele wie Rheydt. Wir freuen uns darüber, dass sich die Zahlen stabilisieren.

Was halten Sie von den Einwänden der Kirche, die sich gegen verkaufsoffene Sonntage ausspricht?

Langweg Das verstehe ich. Aber wir sind ja auch nicht mit Berlin vergleichbar, wo regelmäßig sonntags eingekauft wird. Bei uns sind verkaufsoffene Sonntage auf vier im Jahr begrenzt. Wir werden in der Adventszeit noch einen Late-night-Shopping anbieten.

Quelle: Rheinische Post vom 19.November 2007