Erfahrungen im Ausland sind im Studium wichtig. Die Hochschule Niederrhein hat internationale Kontakte zu Hochschulen. Die nutzten Studenten des Fachbereichs Wirtschaft zu Aufenthalten in Finnland und Russland.
Woldemar Gartfelder ist als Student auf der Zielgeraden. Im achten Semester studiert der 26-Jährige am Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Niederrhein (HN) in Mönchengladbach, bereitet sich auf die Diplomprüfung vor. Wo es nach dem Examen mit ihm beruflich hingeht, steht noch nicht fest. Aber ein kürzlicher Auslandsaufenthalt in Russland hat Gartfelder auf den Geschmack gebracht. Eine Tätigkeit in Russland würde ihn reizen.
Wie viele Studenten der Hochschule Niederrhein profitiert der aus Kasachstan stammende angehende Diplomkaufmann von den zahlreichen Kontakten, die die HN und ihre neun Fachbereiche zu ausländischen Partnerhochschulen hat. Partnerschaften mit Hochschulen und Hochschulinstituten hat die HN in 27 Ländern der Erde. „Wir ermuntern die Studenten, diese Möglichkeiten zu nutzen und ihre Aufenthalte im Ausland bei Bewerbungen ins Spiel zu bringen. Das macht sich bezahlt“, sagt Professor Dr. Wolf-Dieter Mangler vom Fachbereich Wirtschaft.
13 Studierende des Fachbereichs sind gerade von Kongressen und Exkursionen zurückgekehrt. Acht von ihnen waren mit Mangler in Russland zu einem deutsch-russischen Workshop beim befreundeten Wirtschafts-Institut in Nizhny Novgorod. Eine Woche lang verglichen deutsche und russische Studenten die Unternehmensstrukturen in beiden Ländern. Zur gleichen Zeit waren fünf Wirtschafts-Studenten der HN in Begleitung von Prof. Dr. Harald Vergossen zu einem internationalen Seminar an der befreundeten finnischen Hochschule von Valkeakoski. Thema war dort die Situation der Wirtschaft im Ostsee-Raum.
Für Anne Böddeker (28) war der Aufenthalt in Finnland eine Herausforderung. Alle Veranstaltungen liefen in englischer Sprache. Die deutschen Studenten mussten Präsentationen vorbereiten und halten. „Eigentlich genau das, was später auch im Berufsleben gefordert wird“, sagt die Studentin, die im fünften Semester studiert. Ihre Kommilitonin Sara Mrozek (24) hält solche Kontakte ins Ausland für wichtig, „weil man über den Tellerrand hinausschauen kann“. Je nach Land sei auch die Unternehmenskultur eine andere. Das schon im Studium aus eigener Anschauung zu erleben, sei wichtig.
Für den 25-jährigen Roman Koch war die Exkursion nach Russland ein Wiedersehen mit seiner alten Heimat. 13 Jahre war er alt, als er nach Deutschland kam. Er überlegt, für ein Jahr nach Russland zu gehen, weil er glaubt, dass Russland ein Wachstumsmarkt ist. Und wenn er später Studienaufenthalte in diesem Land nachweisen könne, werde das nur positiv sein. Roman Fischer - auch für ihn war die Exkursion nach Russland ein Besuch in der Heimat - hat in Gesprächen mit russischen Studenten und Professoren festgestellt, dass es im Land eine Aufbruchstimmung gibt. Die Menschen seien selbstbewusster geworden. Weil Deutschland ein hohes Ansehen in Russland habe und Qualität deutscher Arbeit dort geschätzt werde, ist er davon überzeugt, dass das Land für ausgebildete Kaufleute zunehmend interessant wird.
Von der HN ermöglichte Kontakte zu ausländischen Partnerhochschulen böten den Studenten eine gute Plattform, um Erfahrungen in einem internationalen Umfeld zu sammeln, meint Prof. Vergossen. Sie vergrößerten nicht nur die fachlichen Kompetenzen der Studenten. „Sie können auch ihre Präsentations- und Kommunikationsfähigkeiten im internationalen Rahmen ausprobieren.“
Dass die Verbindungen zu den Partnerhochschulen auch der HN Besuche aus dem Ausland bescheren, zeigt sich zurzeit am Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik. Bis Mitte nächster Woche ist dort noch der Prodekan der Fakultät für Textiltechnik der Staatlichen Universität für Technologie und design in St. Petersburg zu Forschungszwecken zu Gast.
Quelle: Rheinische Post vom 20.November 2007