Planer für Lebensräume

Autor: Magna cum MG 

Wie feiert ein Architekt das 20-jährige Bestehen seines Unternehmens? Indem er sich hochkarätige Gäste einlädt, darunter einen Pfarrer, eine Erzieherin und Unternehmer, und mit ihnen über Bauen und Wohnen diskutiert.

Ein bisschen Psychologie gehört immer dazu, wenn der Architekt den Bauherren zufrieden stellen will. Denn schlussendlich entscheiden nicht nur Optik und Funktionalität darüber, ob ein Bauprojekt gelungen ist, sondern die Menschen, für die es konzipiert wurde. Dr. Burkhard Schrammen baut Lebensräume für Menschen mit Behinderung, Bürogebäude für die Industrie, Einfamilienhäuser, Schulen und Kirchen oder eine ganze Arena für den Hockeysport. Und so unterschiedlich seine Projekte in den vergangenen 20 Jahren waren, so illuster waren auch seine Gäste.

Im Café Rosenmeer kamen beispielsweise Pfarrer Klaus Hurtz, der Technische Beigeordnete Dr. Gregor Bonin aus Düsseldorf, Prof. Johannes Degen, ehemaliger Direktor von Hephata, Ministerialrätin Anne-Marie Wirtz und Gert Brandts, Inhaber der Textilwerke Otten, zusammen, um über die vielen Facetten von Lebensräumen zu sprechen. Ganz klare Vorstellungen von ihren Wünschen und Bedürfnissen hatten die behinderten Bewohner der evangelischen Stiftung Hephata. Sie wurden in die Planungen für ihre neuen Wohnungen und Werkstätten einbezogen. „Die Architektur spielte dabei eine viel größere Rolle, als ich es mir vorher vorgestellt hatte“, sagte Prof. Degen. Trotz allem „Anders sein“ sollte es so viel Normalität wie möglich geben. Dann stellte sich die Frage, ob die Gebäude trotzdem eine ungewöhnliche Architektur haben dürfen. „Und wir haben uns entschlossen, keine kleinen Brötchen zu backen“, erklärte Degen. Der Stolz auf diese Entscheidung klingt in seinen Worten immer noch mit. Entstanden ist eine außergewöhnliche Werkstätte, die den Kostenrahmen nicht gesprengt hat.

Dr. Gregor Bonin muss in seiner täglichen Arbeit nicht nur zwischen Kosten und Nutzen abwägen sondern auch, ob neue Objekte zum Gesamtbild der Stadt Düsseldorf passen. Ist der Technische Beigeordnete für Planung zu einem Ergebnis gekommen, muss er auch noch die Politik überzeugen. „Das ist eine Aufgabe, die Spaß macht, zum Teil auch frustrierend ist, aber wo das Gesamtgefüge zählt“, sagt er. Für Zündstoff in der Politik sorgt zurzeit das Vorhaben, am Düsseldorfer Hafen hochwertige Wohnprojekte anzusiedeln. „Aber man darf nicht alles tot debattieren, sondern muss das Ziel im Auge behalten“, erklärt Bonin.

Gleich mehrere Ziele müssen erreicht werden, wenn Matthias Ulrich, Prokurist der Ziag Immobilien AG (Betreiber der Theatergalerie), Pläne macht. Ein Einkaufszentrum muss nicht nur lukrativ sein, sondern auch Erlebnis-Charakter vermitteln und mit ansprechenden Ambiente punkten. Die Theatergalerie hat da durchaus Nachholbedarf. „Sie ist zurzeit nicht so lukrativ“, bedauert Ulrich. Durch den Wegfall der Spielstätte würden die Theaterbesucher fehlen, die für Leben in der Einkaufszone gesorgt hätten. „Es gab schon Überlegungen, die Theatergalerie zu überbauen“, sagt Ulrich. Auch über eine Vergrößerung und Aufwertung werde nachgedacht. Dabei müsse aber immer das Umfeld in die Planungen einbezogen werden. Und dazu gehöre nicht zuletzt der zukünftige Bau des ECE.

Ein Gebäude aus der Vergangenheit wollte Gert Brandts für die Zukunft rüsten: Nicht weniger als 16000 Quadratmeter einer ehemaligen Textilfabrik wurden für eine neue Nutzung umgebaut. „Nach zwei Jahren hatten wir eine Vermietungsquote von 95 Prozent“, sagt Brandts.

Für Dr. Ulrich Schückhaus, Wirtschaftsförderer der Stadt, ein gutes Beispiel für gelungenen Strukturwandel. So wie auch der Nordpark. „Wegen seines Standorts, aber auch wegen der Architektur haben sich vor allem im Denkmalbereich viele Firmen angesiedelt“, erklärt er.

Pfarrer Klaus Hurtz steht bei seinem aktuellen Projekt, der Marienkirche in Rheydt, wohl vor einer der größten architektonischen Herausforderungen: „Die Kirche soll nur den Zweck erfüllen, das der Mensch dort einfach nur Mensch sein darf“ , sagt Hurtz.

Quelle: Rheinische Post vom 3. März 2008