Die Hochschule lehrt flirten

Autor: Magna cum MG 

Jeder Student muss flirten können, findet Heike Kröpke. Das bedeutet für die Pädagogin: Menschen für sich einnehmen zu können. Diese Schlüsselqualifikation will sie an der Hochschule Niederrhein vermitteln.

Kaum einer an der Hochschule Niederrhein (HN) versteht wohl so viel vom Flirten wie Heike Kröpke. Jahrelang hat die Diplom-Pädagogin an der Volkshochschule in Essen Kurse in Rhetorik und Flirten gegeben. Weil die 47-Jährige der Auffassung ist, Flirten sei eine Schlüsselqualifikation, hält sie Anfang April Vorlesungen in Mönchengladbach und Krefeld zum Thema Flirten.

Das ist der Auftakt zu den zentralen Angeboten der HN für Schlüsselqualifikationen im Sommersemester 2008. Wer die Vorlesungen und Seminare besucht, bekommt eine Bescheinigung und erfährt nebenbei nicht nur etwas übers Flirten, sondern auch über Rhetorik, Karriereplanung, gutes Benehmen und Argumentationstechniken.

„Flirten bedeutet nicht, mit dem Tunnelblick herumzulaufen, ob man einen abkriegt“, sagt die Mutter eines 14-jährigen Sohnes. Flirten heißt für sie, sich das Leben lebenswerter zu machen, indem man in einer ganz bestimmten Weise auf Menschen zugeht. Das öffnet Türen, meint sie, mache den Umgang mit Menschen leichter. Bei Heike Kröpke ist es das gewinnende Lächeln, das ihre Lippen umspielt. Wer ihr zuhört, hat Freude daran. Und wenn sie erzählt, wird daraus kein langweiliger Monolog. Sie bezieht ihre Gegenüber mit ins Gespräch ein, hat Interesse an dem, was er zum Gespräch beizutragen hat.

Die gebürtige Wuppertalerin, die sich frühzeitig in der evangelischen Jugendarbeit engagierte, sagt über sich selbst, dass ihr Flirten immer geholfen habe. „Wenn man Flirt-Seminare macht, muss man das auch leben“, sagt die Pädagogin. Offenheit und Spaß an anderen Menschen sind für sie unabdingbare Voraussetzungen für einen guten Flirt. Sie versucht, mit einem Lächeln auf Menschen zuzugehen.

Dass es funktioniert, hat sie mehrfach beobachtet. Andere Menschen würden in der Regel freundlich reagieren, wenn man sie mit einem Lächeln anspreche. Diese Taktik empfiehlt die Mitarbeiterin der HN auch Menschen, die sich schwer tun, andere anzusprechen. „Der Erfolg macht Mut, an andere Situationen nicht so zugeknöpft heranzugehen“, sagt Kröpke. Kinder gäben mit den besten Anschauungsunterricht. „Die lächeln die Oma an, und schon haben sie das Eis. Die haben das in die Wiege belegt bekommen“, sagt Heike Kröpke und fügt nach einer Pause hinzu: „Ich war so ein Sonnenkind.“

Freilich weiß sie, dass Flirten vielen nicht leicht fällt. Vor allem der berühmte erste Satz bereitet manchen Kopfzerbrechen. Die Diplompädagogin empfiehlt, ein Gespräch zum Beispiel an alltäglichen Gegenständen in der Umgebung aufzuziehen. Anknüpfungspunkte für eine Unterhaltung in Heike Kröpkes Büro könnten das große Sparschwein auf dem Schrank neben der Tür sein oder der große Schaumstoffwürfel, der in einem Regal liegt, meint sie.

Vor einem warnt die Pädagogin jedoch. Schlüsselqualifikationen wie Flirten können Inkompetenz nur sehr bedingt kaschieren. „Neben allen Schlüsselqualifikationen kommt man ohne solides Fachwissen nicht aus“, sagt sie.

Mittwoch, 2. April, Mönchengladbach, Mittwoch, 9. April, Krefeld: Flirten für Studierende, Vorlesung; der Raum wird per Aushang bekannt gegeben. Das zentrale Angebot für Schlüsselqualifikation findet sich auf der Homepage der HN: www.hsnr.de

Quelle: Rheinische Post vom 18. März 2007