Der stille Arbeiter

Autor: Magna cum MG 

Er fing als Lehrling bei der Sparkasse an, nächste Woche hört Manfred Verleysdonk als Vorstandsvorsitzender auf. Er hat die Bank zu einer der stärksten im Rheinland gebracht - und sich dabei selbst nie zu wichtig genommen.

Unter den erfolgreichen Machern gibt es drei Typen. Die ersten lassen den Rest der Welt beständig an der Erkenntnis teilhaben, wie gut sie sind. Die zweiten drängen sich zwar nicht auf jede Bühne, hoffen aber, dass ihnen gerade deswegen noch mehr Anerkennung für ihre Leistung zuteil wird. Die dritten machen kein Aufheben um ihre Person, weil ihnen Aufmerksamkeit nicht so viel bedeutet wie der Erfolg der Sache, für die sie stehen. Diese wahrhaft Bescheidenen sind beklagenswert selten - und in Mönchengladbach gibt es ab kommenden Freitag einen weniger in zentraler Funktion. Dabei hat Manfred Verleysdonk, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse, Aufmerksamkeit verdient. Seine Karriere ist beispielhaft, sein Erfolg nachhaltig und seine Führungsprinzipien beeindruckend.

Der 65-Jährige kann sich genau an den 1. April 1960 erinnern, als er als gerade 16-Jähriger seine Lehre bei der Stadtsparkasse im heimischen Neuwerk begann. „Mein erster Auftrag war, ins alte Neuwerker Rathaus zu gehen. Ich sollte den eisernen Zinsfuß mitbringen“, erinnert er sich. Einer der üblichen Streiche, mit der die Erfahrenen die Neuen auf ihre Lehrzeit einstimmten.

Seine persönliche Lehre aus der Ausbildungszeit hält bis heute vor. Damals seien alle sofort aufgesprungen, wenn ein Kunde die Filiale betrat. „Diese Konzentration auf den Kunden ist unser A & O“, sagt Verleysdonk. Und so sehr sich das Bankengeschäft in den vergangenen Jahrzehnten auch verändert hat, so breit die Produktpalette geworden ist, das Grundverständnis hat Verleysdonk durch sein Berufsleben begleitet: „Wir müssen nah dran sein an den Menschen.“ Das ist ganz wörtlich zu verstehen. Das engmaschige Geschäftsstellennetz ist zwar teuer, aber ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Doch Verleysdonk meint es auch im übertragenen Sinne.

Wenn er über den anhaltenden Erfolg der Stadtsparkasse spricht, fällt immer wieder das Wort Teamgeist. Das kommt Verleysdonk natürlich gut zu pass, weil es die Aufmerksamkeit nicht allein auf seinen persönlichen Erfolg lenkt. Doch das Zusammengehörigkeitsgefühl über Hierarchiegrenzen hinweg ist ihm tatsächlich ein Anliegen. Denn er weiß, dass dies für den Erfolg mit verantwortlich ist. „Es darf keine falsch verstandene Rivalität zwischen den Abteilungen geben. Wir müssen uns als ein Ganzes verstehen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Und so ist es ihm ein Gräuel, wenn sich einer auf Kosten eines anderen zu profilieren versucht. Da er weiß, dass fürs Führen das Vorbild das Wichtigste ist, gilt das selbstverständlich auch für den Vorstand, das er Kollegialgremium nennt. „Die Spitze eines Unternehmens prägt durch das eigene Tun die Kultur im Haus“, so Verleysdonk.

Und um die ist es bei der Stadtsparkasse gut bestellt. Um Leistungszuschläge, in vergleichbaren Häusern lange abgeschafft, muss man mit Verleysdonk nicht lange feilschen. Der Chef geht erst einmal davon aus, dass seine Mitarbeiter erstklassig arbeiten - es sei denn, sie überzeugen ihn vom Gegenteil. Großzügigkeit kann sich Manfred Verleysdonk leisten. Denn das Ergebnis der Stadtsparkasse ist seit vielen Jahren hervorragend. Genau gesagt: Es ist nachrechenbar besser als das vergleichbarer Sparkassen. Nicht zuletzt, weil der Vorstand stets die Balance zwischen konservativem und innovativem Handeln gefunden hat. Bei manchen technischen Neuerungen gehörten die Mönchengladbacher zu den Pionieren. Doch an Geschäfte mit Derivaten hat man nie einen Gedanken verschwendet. „Wir laufen nicht jedem Hasen nach, der übers Feld läuft“, sagt der 65-Jährige. Mit der Folge, dass die Sparkasse Mönchengladbach, anders als andere ähnlicher Größe, selbstständig ist und bleibt. „Eine Fusion brächte uns keinerlei Vorteil“, versichert Manfred Verleysdonk. Es gibt Menschen, die kennen den ausgezeichneten Reiter Manfred Verleysdonk. Andere schwärmen vom Kunstkenner Verleysdonk. Dererlei wischt er mit einer Handbewegung weg. „Ach was. Ich mag halt Bilder. Und manche gefallen mir.“ Aussichtslos ist auch der Versuch, ihn zu einer klaren Bewertung seiner beruflichen Leistung zu bewegen. Immerhin dieses ist ihm mit Nachfragen zu entlocken: „Ich bin zumindest nicht ganz unzufrieden.“ Das Fazit eines erfolgreichen stillen Arbeiters. Dazu lächelt er fein.

Quelle: Rheinische Post vom 11. Juni 2008