Eine Fachhochschule Energie, ein Innovationspark Energie und ein Golfpark mit Ferienhäusern - das sind einige der Ideen für die Zeit nach dem Abzug der Briten. Wenn sich die Stadt sputet, bezahlt das Land die neue Hochschule.
Vier neue Fachhochschulen will das Land Nordrhein-Westfalen gründen. Wenn es nach Wirtschaftsförderer Ulrich Schückhaus geht, sollte eine davon auf dem 380Hektar großen Gelände stehen, auf dem jetzt noch das JHQ seinen Sitz hat. In einem Konzeptpapier, das der RP vorliegt, schlägt Schückhaus eine Fächerkombination vor, wie sie bisher keine einzige Hochschule im Land hat. Mit einer Kombination aus Energietechnik, Energiewirtschaft und der Untersuchung regenerativer Energie würde Mönchengladbach auf ein Thema setzen, das angesichts der knapper werdenden Ressourcen an Bedeutung gewinnt. Gegenüber dem Land könnte die Stadt zudem mit der Nähe zum Forschungszentrum Jülich und zum Braunkohleabbau argumentieren.
Gute Argumente wird Mönchengladbach brauchen, um den Zuschlag zu bekommen. Denn NRW-Forschungsminister Andreas Pinkwart will nur innovative Konzepte fördern. Regional konkurrieren würde Gladbach mit dem Kreis Kleve, der eine Fachhochschule zum Thema Agrarwirtschaft vorschlägt. Realistischerweise wird wegen der geographischen Nähe nur eines der Projekte umgesetzt. Um die Chance zu wahren, muss die Stadt bis zum 15. August ihre Idee einreichen.
Auch abgesehen von der Hochschule ließe sich das Thema Energie im JHQ aufgreifen. Es ließen sich gezielt Firmen der Energiewirtschaft anwerben, die von der Nähe zu Wissenschaft profitieren könnten. Das würde der Stadt hochqualifizierte Jobs bringen - und das Profil der Ansiedlungen um eine interessante Sparte erweitern.
Doch 380 Hektar lassen sich weder mit Campus noch mit flankierenden Firmen füllen. Für den restlichen Platz schlägt die Wirtschaftsförderung ein drittes Projekt vor: einen Golfpark, in dem man auch Ferienhäuser und -wohnungen mieten kann. Ähnliche Angebote gibt es etwa in Südeuropa. Der denkbare Profit für Mönchengladbach: kaufkräftige Touristen in die Stadt zu holen.
Die vierte Idee lässt einen alten Wunsch unter anderem des früheren Oberstadtdirektors Helmut Freuen und des Landtagsabgeordneten Michael Schroeren aufleben: eine Bundesgartenschau in Mönchengladbach. Die Wirtschaftsförderung schlägt ein Konzept vor, das über eine reine Blumenschau hinausgeht. Dargestellt werden soll, wie aus einer bebauten Fläche wieder Natur wird. Die Mönchengladbacher bekämen so ein großes neues Naherholungsgebiet.
Erste Rückmeldungen auf das Papier aus Politik und Verwaltung sind positiv. Ob es gelingt, die Ideenskizze bis zum Stichtag 15. August weiter auszuarbeiten, ist aber noch ungewiss.
Quelle: Rheinische Post vom 25. Juli 2008