Der Spagat geht weiter: 1200 Erstsemester haben gestern in Mönchengladbach ihr Studium begonnen. Die Hochschule ist zu fast 140 Prozent ausgelastet - und muss daher kämpfen, die Qualität der Lehre zu sichern.
Ein rappelvoller Hörsaal, ein Bär, der gegen Studiengebühren protestiert und zwei Professoren, die für ihre gelungenen Lehrmethoden ausgezeichnet wurden - ihren 1200 Erstsemestern bot die Mönchengladbacher Filiale der Hochschule Niederrhein (HN) gestern Mittag einen ziemlich realistischen Vorgeschmack auf das Studium. „Wir sind nach wie vor die beliebteste Hochschule Nordrhein-Westfalens“, sprach Rektor Professor Hermann Ostendorf zu den Neulingen im Audimax. Und fügte auch gleich hinzu, was vielen bereits in Mönchengladbach Studierenden Unbehagen bereitet: „Wir müssen aber auch auf Qualität achten und sehen, dass wir damit fertig werden.“
Schließlich hat die Hochschule Niederrhein an ihren Standorten Krefeld und Mönchengladbach knapp 2300 Studenten zum Wintersemester aufgenommen - und damit gut 550 mehr als sie an Studienplätzen eigentlich zu bieten hat. „Für die Qualität der Lehre ist das nicht gut“, sagt Robert Kramer vom Studierendenausschuss AstA.
Ob und wie an der Auslastung von fast 140 Prozent etwas ändert, zeigt sich frühestens im Dezember. Dann soll sich entscheiden, ob die Hochschule Niederrhein in der Offensive der Landesregierung zum Ausbau von Fachhochschulen berücksichtigt wird. 1000 zusätzliche Studienplätze hat die HN beantragt. Sollte das nicht klappen, will Ostendorf den Zustrom drosseln: „Dann müssten wir mit Numerus Clausus arbeiten.“
Will heißen: Mit noch mehr Numerus Clausus. Denn in den Mönchengladbacher Studiengängen gibt es fast überall schon Zulassungsbeschränkungen, der im vorigen Wintersemester boomende Krefelder Studiengang Chemie wurde in diesem Jahr mit einem NC gedeckelt. Der Asta und viele Studenten verfolgen die Entwicklung angesichts voller Hörsäle und voller Seminare mit mehr als gemischten Gefühlen. Auch dem Angebot des Rhein-Kreises Neuss, in Neuss eine dritte HN-Filiale einzurichten, mag Asta-Vorsitzender Bastian Feldkeller keinen Beifall spenden: „Wir sehen das kritisch. Denn das bringt uns keine Entlastung.“
Auch wenn die vor einem Jahr eingeführte Studiengebühr am Zulauf zur HN nichts geändert hat, ist sie bei den Studenten alles andere als beliebt. „Ostendorf steht für Studiengebühr. Wer auch dagegen ist, klatschen“ stand auf einem Plakat, das ein Student in einem Eisbärenkostüm durch den Hörsaal trug, kaum dass Ostendorf seine Begrüßungsrede begonnen hatte. Trotz des aufbrausenden Beifalls konterte der Rektor gelassen: „Ohne die Beiträge könnten wir die Qualität in Studium und Lehre nicht halten.
Kräftiger Beifall von Studenten bewies gestern aber, dass es auch Beispiele für richtig gute Lehre gibt. Die Professoren Michael Borg-Laufs (Sozialwesen) und Klaus Hardt (Textil- und Bekleidungstechnik) wurden für besondere Leistungen in der Wissensvermittlung ausgezeichnet. Die 2500 Euro Preisgeld müssen sie allerdings wieder in ihre Lehrveranstaltungen stecken.
Quelle: Rheinische Post vom 23.09.08